Aktuelles » Aktuelle Mitteilungen » Andrea Nahles: "Teilhabebericht ist Herausforderung und Orientierung" 2017-01-18

Andrea Nahles: "Teilhabebericht ist Herausforderung und Orientierung"

Bundesregierung legt zweiten Teilhabebericht über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland vor

Das Bundeskabinett hat heute den zweiten Teilhabebericht über die Lebenslagen von Menschen mit Beeinträchtigungen verabschiedet. Der Bericht macht deutlich: Die Entwicklung der Teilhabe verläuft nicht in allen Lebensbereichen einheitlich. Neben erkennbaren Fortschritten gibt es auch weiterhin Nachholbedarf in wichtigen Lebensbereichen.

Dazu erklärt die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles:

"Teilhabeberichte sind für Politik und Gesellschaft zugleich Herausforderung und Orientierung. Sie zeigen den Handlungsbedarf für die Zukunft auf – für Politik und Zivilgesellschaft. Eine zuverlässige Datenbasis ist dabei von zentraler Bedeutung. Deshalb habe ich Ende 2016 den Startschuss gegeben für eine breit angelegte, über fünf Jahre laufende Repräsentativbefragung von Menschen mit Beeinträchtigungen. Wir wollen die Menschen erstmals selbst befragen, wie sie leben, wie sie leben wollen und wo sie auf Barrieren stoßen. Erste Ergebnisse daraus werden somit in den nächsten Teilhabebericht einfließen können – und uns Ansporn sein, beim Thema Inklusion noch weiter voranzukommen."

Erfreulich ist, dass immer mehr Kinder im Vorschulalter qualifiziert gemeinsam betreut werden. Der Anteil der inklusiv betreuten Kinder ist von 81 Prozent (2008) auf 91 Prozent (2015) gestiegen. Hier setzt sich die Inklusion durch. Auch ist die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderungen in den letzten Jahren stark gesunken, das Beschäftigungsniveau ist gestiegen. Fast 1,2 Mio. Arbeitnehmer oder ihnen gleichgestellte wurden im Jahr 2014 beschäftigt. Deutlich mehr Menschen wohnen ambulant betreut in eigener Wohnung – seit 2008 hat sich ihre Anzahl auf rund 160.000 im Jahr 2014 verdoppelt. Aber noch immer werden mehr Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf an Förderschulen als an Regelschulen unterrichtet – 66 Prozent in 2014. Und nach wie vor bleiben viele Förderschülerinnen und Förderschüler ganz ohne Schulabschlüsse – 71 Prozent in 2014. Handlungsbedarf gibt es aber nach wie vor beispielsweise beim Angebot barrierefreier Verkehrsmittel, barrierefreiem Wohnraum und bei barrierefreier Freizeitgestaltung. Immerhin sind im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs 60 Prozent der von der DBAG eingesetzten Fahrzeuge barrierefrei.

Im Wesentlichen wurden für den zweiten Teilhabebericht Daten aus den Jahren 2005 bis 2014 ausgewertet. Die Erstellung des Berichts wurde durch einen wissenschaftlichen Beirat unter Vorsitz von Frau Professorin Dr. Elisabeth Wacker, Technische Universität München, intensiv begleitet. Das ISG Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik hat unter der Leitung von Dr. Dietrich Engels die Datenanalyse vorgenommen. Kommentare des wissenschaftlichen Beirats geben Einblick in aktuelle, wissenschaftliche Diskurse und formulieren Erwartungen an die Inklusionspolitik in Bund und Ländern.

Darüber hinaus hat sich der Beirat den Schwerpunktthemen des Berichts besonders gewidmet: Er richtet den Blick auf das Leben von Migranten und Wohnungslosen mit Behinderungen. Die Bearbeitung beider Themen stellte sich als besondere Herausforderung dar, weil über Personengruppen mit mehreren Benachteiligungen bisher kaum verlässliche Daten vorliegen.

Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland:
Die Zahl der Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland ist von 10,99 Millionen (2005) auf 12,77 Millionen (2013) gestiegen. Diese Entwicklung ist primär auf den demografischen Wandel zurückzuführen, denn Beeinträchtigungen treten mit höherem Alter vermehrt auf. Als Menschen mit Beeinträchtigungen gelten Menschen mit anerkannter Behinderung oder chronischen Erkrankungen.

Der Teilhabebericht der Bundesregierung:
Die Bundesregierung erstellt alle vier Jahre einen Bericht über die Lage von Menschen mit Beeinträchtigungen in Deutschland. Dazu werden Daten über deren Lebenslage und den Entwicklungsstand ihrer Teilhabe ausgewertet. Damit wird die im SGBIX und in der UN-Behindertenrechtskonvention festgelegte Berichtspflicht erfüllt.

Quelle: http://www.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2017/teilhabebericht.html;jsessionid=12FAD8E1F18D80CAF5EE40073D4FB428